Jürgen Schmidhuber über künstliche Intelligenz und die Zukunft

In diesem Beitrag geht es um Jürgen Schmidhuber, der immer wieder als deutsche KI-Legende bezeichnet wird. Doch wie sieht Schmidhuber die Zukunft der künstlichen Intelligenz?

Einführung und Technologie

Eine Tatsache ist, dass künstliche Intelligenz keine neue Technologie ist, sondern sich seit den 1950er Jahren entwickelt hat. Besonderen Aufschwung hat KI in den letzten Jahren erfahren, da Rechenleistung erschwinglich und große Datenmengen zugänglich wurden. Doch die theoretischen Grundlagen moderner Algorithmen, zum Beispiel aus dem Bereich der künstlichen neuronalen Netze, sind älter.

Wie definiert Schmidhuber den Begriff der künstlichen Intelligenz? In seinen Augen ist KI die Wissenschaft der automatischen Problemlösung. Zwischen menschlichen kognitiven Prozessen und dem, was die gehypte Technologie ausmacht, sieht er keinen großen Unterschied. Neuronale Netzwerke basieren auf den biologischen neuronalen Strukturen des Menschen und kommen heute in verschiedensten Bereichen zum Einsatz.

Eine große Aufgabe des Gehirns ist das Lösen von Problemen und darauf fokussieren sich momentane KI-Systeme. Es mache laut Schmidhuber keinen Sinn, das menschliche Hirn exakt nachzubilden, da Instinkte für das Lösen spezifischer Probleme oft hinderlich sind.

KI im Alltag

Ein Beispiel dafür sind laut Schmidhuber Übersetzungsprogramme, denn diese verbessern sich mithilfe sogenannter Long-Short-Memory-Netzwerke mit jedem Übersetzungsvorgang. Etwa 50.000 mal pro Sekunde wird etwas übersetzt - und wohl das allermeiste in Googles Übersetzungsservice Google Translator, das besonderen Wert auf KI-Algorithmen setzt. Das bedeutet, dass künstliche Intelligenz bereits Teil unseres Alltags ist und unsere Interaktion mit Technologien besonders prägen.

Schmidhuber unterscheidet, wie in der KI-Branche üblich, zwischen schwacher und starker KI. Schwache KI ist in Einzeldisziplinen erfolgreich, starke KI (die er auch als volle KI bezeichnet) hätte das Potential, wesentlich mehr Probleme der Welt zu lösen.

Gefühle und Emotionale Intelligenz

Ob künstliche Intelligenzen und Roboter Gefühle verspüren können? Mittels Sensoren sei das durchaus Möglich, so Schmidhuber, denn die neuronale Netze dieser Roboter würden sich so weiterentwickeln, dass Belohnungen zunehmen und Schmerzen abnehmen. Eben um diese zwei Gefühle, Belohnung und Bestrafung, könnte sich eine emotionale Intelligenz entwickeln. Auch Angst könnte eine erlernte Reaktion auf schmerzhafte, nicht gewollte Reaktionen sein. Eine Art Instinkt, die sich über eine längere Zeitspanne herausentwickelt, um gewisse Ziele immer wieder zu erreichen.

Welche Chancen hat KI? Laut Schmidhuber sind die meisten KI-Entwicklungen derzeit kommerziell motiviert und dadurch auf den Menschen ausgerichtet. Das bietet gerade in der Medizin große Möglichkeiten: Denn wenn sämtliches Erfahrungswissen über Krankheitsbilder, radiologische Aufnehmen und Therapieverläufe gebündelt wird, dann könnten Erkrankungen noch spezifischer behandelt werden. Das ist nur einer der vielen Beispiele, wie KI-Algorithmen komplexe Aufgaben effizienter lösen können.

Gleichzeitig kann KI dazu verwendet werden, Kameraaufnahmen systematisch auszuwerden, z.B. im Erkennen von Personen. Schmidhuber argumentiert, dass jede Erfindung positiv und negative Auswirkungen auf unser Leben hat. Die Vorteile überwägen die Nachteile, daher sei es wichtig, weiterzuforschen und intelligente Algorithmen weiterzuentwickeln.

Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt und Job

KI könne spezifische, vorhersehbare Aufgaben leichter automatisieren als komplexe, spontane Situationen. Das hat Auswirkungen auf die Perspektive einiger Berufe: Menschen werden mit intelligenten Systemen kooperieren, die KI wird uns in verschiedenen Aufgaben assistierten. Es gibt bereits einige lernfähige Roboter lernen, die von Menschen in bestimmte Bewegungsabläufe eingearbeitet werden und diese später selbstständig ausführen. Schmidhuber meint, dass rund 20% der Weltwirtschaft durch KI beeinflusst werden.

Das führt zu neuen unternehmerischen Pflichten: Mitarbeiter fortbilden und auf neue Berufe vorzubereiten, denn in Zukunft werden sich viele Berufe wandeln - Viele Berufe werden entstehen, die heute noch undenkbar scheinen.

Langfristig wird sich starke KI räumlich ausbreiten, in Galaxien und durch die Weiten der Galaxien, um an entsprechende Rohstoffe zu kommen. Schmidhuber spricht davon, dass das Universum "klug wird". Diese Theorie ist nicht unüblich und wird zudem im Buch "Leben 3.0" von Max Tegmark* umfassender diskutiert.

 

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